Ralf Wintjes wird als Taubenzüchter erstmals RV-Meister

WERNE ▪ Auf seine Jungtauben kann sich Ralf Wintjes verlassen. Sie finden den Weg zurück, auch wenn er selbst weit weg ist von zu Hause. Auf Teneriffa hat der 52-Jährige erfahren, dass er erstmals in seiner Karriere als Züchter RV-Meister geworden ist. Am Samstag, im Rahmen der Siegerausstellung, erhält er den Preis dafür.

Sabine und Ralf Wintjes mit Nr. 226 und Nr. 219, zwei der fünf Jungtauben, die bei der Meisterschaft der Reisevereinigung in die Wertung kamen
Sabine und Ralf Wintjes mit Nr. 226 und Nr. 219, zwei der fünf Jungtauben, die bei der Meisterschaft der Reisevereinigung in die Wertung kamen

Wintjes weiß, dass nicht ihm allein Ehre gebührt. Vielmehr auch seinem Vater Herbert Wintjes, der den Schlag mit aufgebaut hat, mit 82 Jahren im Altenheim wohnt und bei den Reisen noch immer mitfiebert – und seiner Frau, die die rund 60 Vögel versorgt, wenn er arbeitet.

Ralf Wintjes nennt sich selbst einen „Taubenkasper“, ist er doch ganz und gar mit seinen Tieren verbunden. Sie sind für ihn „fliegende Leistungssportler“, die intensiv gepflegt und gehegt werden müssen. Ob ihm dies besser gelungen sei als den anderen? Der Werner hebt die Schultern, die Meisterschaft indes legt dieses nahe.

28 von 30 möglichen Preisen haben seine Jungtauben bei den sechs Reisen eingeheimst. Damit lag er nicht nur in seinem Verein „Lippebote“ ganz vorn – sondern eben auch in der Reisevereinigung „Germania“ Werne. Ein Züchterfreund hatte seine Tiere bei der letzten Reise eingesetzt. Mit seinen Doppelkopf-Kollegen war er nach Teneriffa gereist. Dort rief er via Internet die Ergebnisse auf – und traute kaum seinen Augen. „Wir haben gleich zwei Taschen voll Getränke geholt.“

Die Meisterschaft hatte Wintjes gar nicht im Blick. „Ich wollte für mich ein zufriedenstellendes Ergebnis hinlegen“, sagt er zu seinen Ambitionen. Doch plötzlich durfte er die Glückwünsche seiner Kollegen entgegen nehmen. „Meine Frau hat einen Riesenanteil am Sieg“, unterstreicht er. Jeden Morgen lasse sie die Tauben zum Training hinaus und füttere sie. Dabei teilt Sabine Wintjes die Liebe ihres Mannes zum Taubensport eigentlich nicht. Ihre Motivation: „Ich mag alle Tiere. Und weil sie versorgt werden müssen, tue ich das eben.“

Für den RV-Meister sind seine Tauben liebstes Hobby. Früher hatte er Wechselschicht bei Bayer in Bergkamen, seit vier Jahren ist er dort im Tagdienst, doch jede freie Minute verbringt er im Taubenschlag, kümmert sich um die Pflege der Tiere, zimmert an der Ausstattung und optimiert sie. Dabei kann er die für Laien schlicht grauen Vögel wegen ihres stets leicht abweichenden Federkleids problemlos auseinanderhalten – und er beobachtet, wie sie auf seine Stimmungen und Gefühlslagen reagieren. Auch deshalb hat er gern seine Frau dabei. „Die ist ein wenig ruhiger als ich, nicht immer so nervös.“

Im Taubenschlag hinterm Zechenhaus an der Georgsmarienstraße herrscht eine feste Ordnung. Unten sind die Jungtauben und die aktuell sechs Zucht-Pärchen untergebracht, oben die Jährigen und die Alttauben. Auch diese Tiere, alles männliche Exemplare, hatte Wintjes im vergangenenen Jahr auf die Reise geschickt, doch sie flogen den anderen hinterher.

Bei den Jungtauben aber war schon sein Vater erfolgreich – mit einem zweiten Platz in der RV-Wertung. Der Senior der Schlaggemeinschaft „Wintjes & Sohn“ kann angesichts seines hohen Alters nicht mehr aktiv sein. Dafür sitzen beide Männer an den Wochenenden bei Kaffee und Kuchen zusammen und warten auf die Heimkehr ihrer Tiere. „Die Reisezeit ist die schönste Zeit des Jahres“, sagt Ralf Wintjes.

Wintjes’ siegreiche Jungtauben – die besten fünf kommen immer in die Wertung – sind übrigens allesamt Weibchen. Drei will er später zur Zucht einsetzen. ▪ am

 

Quelle: www.wa.de

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