Wiesentheid statt Karibik

Taubenzüchter Ludwig Nottebaum freut sich auf die "Reisesaison"

Ludwig Nottebaum züchtet Tauben, seit er denken kann. In seiner Familie hat das Hobby Tradition: Sein Vater begeistert den pensionierten Elektriker früh für den Sport. Foto: Holthoff
Ludwig Nottebaum züchtet Tauben, seit er denken kann. In seiner Familie hat das Hobby Tradition: Sein Vater begeistert den pensionierten Elektriker früh für den Sport. Foto: Holthoff

STOCKUM ~ Wer den Begriff "Reisesaison" hört, der träumt womöglich von Zielen wie den Malediven, den Seychellen oder der Karbik. Woran er mit Sicherheit nicht denkt, sind Ortschaften wie Wiesentheid, Tennenlohe und Hemau. Doch genau die stehen auf Ludwig Nottebaums Reiseplan - oder besser gesagt: auf dem seiner Tauben.

 

Morgen startet die erste Preistour der Saison, und nicht nur Nottebaum freut sich, dass es wieder losgeht.

Auch seine Kollegen von der Reisevereinigung Germania dürfte es in den Fingern jucken. Schließlich zeigt sich erst unter Wettkampfbedingungen, ob sich das Training bezahlt macht. "Da kann man sich nie sicher sein. Die Tiere fliegen nicht jedes Jahr gleich", sagt Nottebaum und kann dabei auf jahrzehntelange Erfahrung zurückgreifen: "Tauben züchte ich fast, seit ich denken kann. Seit 50 Jahren bestimmt."

Dieses Hobby hat bei Nottebaums Tradition: Schon der Vater war als Züchter aktiv und hat seinen Sohn früh für diesen Sport begeistern können. Was genau Ludwig Nottebaum daran so fasziniert, kann der pensionierte Elektriker aus Stockum gar nicht sagen: "Das Schönste ist auf jeden Fall, wenn man sieht, wie sie nach einer langen Tour zu Hause ankommen. Manchmal drehen sie dann sogar noch eine Ehrenrunde."

Früher hatten die Züchter nach Ankunft der Tauben noch richtig Arbeit. Die Tiere mussten gefangen werden, um die nummerierten Gummiringe an ihren Füßen zunächst in eine Kapsel, dann in die so genannte Konstantieruhr zu stecken. So konnte die Ankunftszeit manipulationssicher festgehalten werden. Heute läuft das elektronisch mittels Chipring und Sensorantenne im Schlag. "Am Computer sehe ich, wann die erste Taube zurück ist. So brauche ich mich nicht mehr stundenlang draußen hinsetzen und in den Himmel gucken. Und die Ergebnisse sind schneller da", erklärt Nottebaum die Vorzüge der Technik.

Auch wenn er in seiner Karriere schon viele Preise eingeheimst hat, darunter drei RV-Meistertitel, konnte Nottebaum das Geheimnis, woran eine gute Taube zu erkennen ist, noch nicht lüften. "Wenn ich das wüsste, würde mir ganz Stockum gehören. Dann wäre ich Millionär und bräuchte auch nur 20 Tauben und nicht 100", so der Züchter. Das wichtigste sei aber, dass die Tiere was im Köpfchen haben. Man könne sie noch so fit machen, nach Hause finden müssen sie  immer noch alleine.

Auf diese Fähigkeit baut Nottebaum in diesem Jahr besonders, da die Vorbereitung nicht optimal verlaufen sei. Dazu passt auch seine Taktik: "Ich lasse es erst mal langsam angehen und dann schlage ich zu." ~ cho

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