Wo die Reise beginnt

RV Germania setzt am Samstag die Tauben für den ersten Wettkampf ein

Franz Josef Backhove registriert die Tauben, die mit dem Kabienenexpress zum Auflassort gebracht werden. ~ Fotos: Holthoff
Franz Josef Backhove registriert die Tauben, die mit dem Kabienenexpress zum Auflassort gebracht werden. ~ Fotos: Holthoff
Vorsitzender Michael Schulz kann mit seinen Zucht-Kollegen auf das 85-jährige Bestehen der Reisevereinigung zurückblicken
Vorsitzender Michael Schulz kann mit seinen Zucht-Kollegen auf das 85-jährige Bestehen der Reisevereinigung zurückblicken

Werne ~ Wenn die Reisevereinigung Germania ihre sieben Sachen für die erste Tour des Jahre packt, kann das ein Weilchen dauern. Schließlich handelt es sich nicht um gewöhnliches Reisegepäck, das am Samstagabend im Transporter verstaut wurde. Rund 2700 Brieftauben schickten die Züchter vom Vereinsheim im Dahl auf die Reise ins 214 Kilometer entfernte Bad Brückenau, von wo aus die Tauben am Sonntagmorgen zur ersten Preistour der neuen Saison aufbrachen.

„Das Einsetzen dauert etwa zwei Stunden“, sagt Züchter Jochen Höinghaus, holt die nächste Taube aus seinem tragbaren Käfig und reicht sie seinem Sportkollegen Franz Josef Backhove. Über einen Chipring am Fuß und mithilfe einer Einsatzantenne erfasst er die Tiere elektronisch, bevor sie ihren Platz in einer der zahlreichen Aluminiumboxen finden. 

Während sich die Tauben keine Nervosität anmerken lassen, sind die Züchter doch ein wenig aufgeregt. „Wir freuen uns alle, dass es wieder losgeht, und hoffen natürlich, möglichst viele Preise zu machen und dem ein oder anderen einen Preis wegzuschnappen“, verrät Höinghaus. 

Laut Regeln gewinnt jede dritte Taube. Das macht bei 2700 Tieren 900 Preise bei einer Tour. Und davon gibt es weitere zwölf allein auf der Altreise. Ganz ohne Preis dürfte am Ende der Saison wohl niemand dastehen.

„Das Schöne ist ja, dass wir alle nur gemeinsam spielen können“, sagt Höinghaus. Schließlich könne sich niemand alleine den Transport zu den verschiedenen Startorten leisten. Deren Entfernung von den heimischen Schlägen steigt übrigens mit der Zeit immer weiter an. In diesem Jahr fliegen die Tauben die Süd-Ost-Richtung, weitestes Ziel ist mit 607 Kilometern das österreichische Wels. „Insgesamt kommen wir auf rund 4000 Kilometer. Das ist schon ein anspruchsvolles Programm“, erläutert Höinghaus

„Wir“, das sind 121 Mitglieder und 81 reisende Taubenschläge aus Werne, Herbern und Nordkirchen, die in diesem Jahr das 85-jährige Bestehen der Reisevereinigung Germania feiern können. Ob sich der Traditionssport allerdings noch mal so viele Jahre halten wird, steht in den Sternen. Zwar ist die Begeisterung bei den Aktiven ungebrochen, doch auch die RV Germania klagt über den fehlenden Nachwuchs. „Wir müssen täglich darum kämpfen, dass der Brieftaubensport auch im 21. Jahrhundert seine Berechtigung behält“, so Jochen Höinghaus. ~ cho

 

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