Täuberich Heinrich II. flog allen davon

Alle Tauben von Klaus Reher fressen ihm aus der Hand – nicht nur Heinrich II. ▪
Alle Tauben von Klaus Reher fressen ihm aus der Hand – nicht nur Heinrich II. ▪

WERNE ▪ Reges Treiben und ein lautstarkes Gurren begrüßen Klaus Reher, wenn er seinen Dachboden betritt. Denn im obersten Stockwerk seines Hauses an der Freigrafenstraße hält der Taubenzüchter seinen rund 100 Tauben umfassenden Vogelschwarm. Mit seiner „verrückten Flugbande“, wie Reher seine Tiere liebevoll nennt, gewann er in diesem Jahr die Jungmeisterschaft der Reisevereinigung „Germania“ Werne, bei der insgesamt 84 Züchter aus Werne und Umgebung teilnahmen.

 

 

Reher kennt den Grund für seinen Erfolg: „Die Jungtauben waren in diesem Jahr so gesund wie nie zuvor. Daher kommt das phänomenale Ergebnis“, berichtet der Vogelzüchter stolz. Um dies zu gewährleisten, sei vor allem das richtige Augenmaß entscheidend: „Es kommt nicht darauf an, jeden Tag Stunde um Stunde bei den Vögeln zu sein. Wichtig ist es, die richtigen Maßnahmen zum richtigen Zeitpunkt zu ergreifen. Manchmal ist es zum Beispiel bei einem Krankheitsfall besser, keine Medikamente zu verabreichen und einfach auf die Abwehrkräfte des Tieres zu vertrauen“, verrät der Taubenzüchter.

 

Manchmal wendet er sogar alternative Heilmethoden an. „Meine Frau ist Heilpraktikerin und in einigen Fällen habe ich sie um Rat gefragt. Homöopathie hilft auch bei Vögeln“, weiß Reher. Entscheidend sei es, zu erkennen, was die Tauben in bestimmten Momenten brauchen und leisten könnten. „Letztlich sehe ich mich als Trainer einer Mannschaft. Ich muss allein durch meine Beobachtung wissen, welches Tier gut in Form ist und welches Tier ich noch in Form bringen muss.“

 

Von permanenter Medikation hält Reher dabei gar nichts. „Manche Züchter geben ihren Tieren regelmäßig Antibiotika, damit sie nicht krank werden. Meines Erachtens ist das totaler Quatsch. Die körpereigenen Abwehrkräfte der Tiere müssen gestärkt werden.“ Er selbst gebe seinen Tauben lediglich einige Mineralien-Mischungen ins Futter und sorge für eine regelmäßige Desinfektion der Tränken.

 

Die zweite Basis seines Erfolges sieht Reher darin, dass er seinen Vögeln vernünftige Lebensbedingungen schaffe: „Die Tauben müssen ein gutes Schlagklima vorfinden. Das heißt, dass das Verhältnis von Platz, Luftverhältnissen und der Anzahl der Tiere stimmen muss“, fachsimpelt der erfahrene Züchter.

 

Hinter dem guten Augenmaß von Klaus Reher stecken 40 Jahre Erfahrung als Taubenzüchter. Die Leidenschaft für das graue Federvieh sei ihm schon in die Wiege gelegt worden. „Mein Vater hatte ebenfalls schon von Kindesbeinen an Tauben. Das Hobby habe ich von ihm übernommen.“

 

Durch das gemeinsame Hobby sei es schon zu einigen für Außenstehende eher seltsam anmutenden Begebenheiten gekommen. „Als wir dieses Haus gebaut haben, zogen die Tauben sogar früher in den Taubenschlag unterm Dach als die Familie ins Haus“, erinnert sich Reher lachend. Mittlerweile betreibe er den Taubenschlag größtenteils allein, allerdings erhalte er weiterhin viel Unterstützung von seinen Eltern.

 

Durch seine Berufstätigkeit habe er nicht so viel Zeit für sein Hobby wie viele andere Züchter. Außerdem stehe seine Familie für ihn immer an erster Stelle. „Da ist mir der Familienurlaub auch einfach mal wichtiger als ein Wettflug. In dieser Zeit springen dann meine Eltern für mich ein, indem sie sich um die Tauben kümmern und sie für die Wettflügvorbereiten. Ohne die Mithilfe der Beiden hätte ich dieses Ergebnis nicht erzielen können.“

 

Von seinem Vater habe Reher auch gelernt, dass es wichtig sei, einen persönlichen Bezug zu seinen Tieren zu haben. „Häufig füttern wir die Tauben aus der Hand, damit sie an den Kontakt mit Menschen gewöhnt sind. Ich halte nichts davon, wenn man in den Taubenschlag kommt und alle Tiere sitzen verängstigt in der Ecke. Das Verhältnis von Mensch und Tier muss passen, wenn man Erfolg haben will“, betont Reher.

 

Rehers Tiere sind alle zahm. So säßen die Tauben nicht nur regelmäßig auf der Schulter von Klaus Reher und seinem Vater, sondern seien sogar richtig verspielt. „Es kommt nicht selten vor, dass sie mit meinem Finger spielen oder meinem Vater das Hörgerät aus dem Ohr zupfen.“

 

Eine besondere Bindung habe er zu Heinrich II. „Eigentlich haben die Tauben ja keine Namen, aber sein Vater – Heinrich I. – war ein Geburtstagsgeschenk eines Bekannten. Der gab ihm den Namen und alle männlichen Vögel, die aus dieser Linie stammen, nenne ich ebenfalls Heinrich.“ erläutert Reher. Dabei sei Heinrich II. nicht nur ein lustiger Zeitgenosse, sondern auch einer seiner besten Vögel. „Im vergangenen Jahr hat Heinrich II. einen Wettflug gewonnen und wurde im Regionalverband Zweiter von insgesamt 9000 Vögeln“, berichtet Reher stolz. ▪ scu


Kommentar schreiben

Kommentare: 0