"Germania" - Mitglieder fiebern Saisonstart entgegen

Mit einen 81 Lenzen hat Bernd Schlüter im Brieftaubensport wahrlich alles erlebt. Für ihn gehört der enge Kontakt zu seinen „gefiederten Rennern“ im Schlag zu den täglichen Freuden
Mit einen 81 Lenzen hat Bernd Schlüter im Brieftaubensport wahrlich alles erlebt. Für ihn gehört der enge Kontakt zu seinen „gefiederten Rennern“ im Schlag zu den täglichen Freuden

Werne. „Selbst nach mehr als 50 Jahren im Brieftaubensport ist die Anspannung vor dem ersten Preisflug immer noch riesengroß.“ Bernd Schlüter, inzwischen 81-jähriger Erfolgszüchter in den Reihen der 130 Mitglieder zählenden Reisevereinigung „Germania“, ist jedes Jahr aufs Neue nervös, wenn der Startschuss zur neuen Reisesaison fällt. Am heutigen Samstag (02. Mai) findet mit dem ersten Wettflug ab Aschaffenburg (210 km) der offizielle Auftakt statt.

 

Zwar waren die zurückliegenden Trainingsflüge bereits ein erster Test, doch erst  wenn alle „Germania“-Mitglieder ihre computergesteuerten Erfassungsgeräte und Antennen angeschlossen haben, weiß jeder, wie es um die Qualität seiner „gefiederten Wettrenner“ steht.

 

„In der Wettflugliste ist schwarz auf weiß abzulesen, wer seine Tauben am Ende tatsächlich in guter Verfassung hat“, ergänzt RV-Vorsitzender Michael Schulz, der als Flugleiter - gemeinsam mit seinem Züchterkollegen Martin Fischer - für die reibungslose Heimkehr der rd. 2.700 an den Start gehenden Tiere verantwortlich zeichnet. „Manches Mal überwiegt die sportliche Enttäuschung und dann ist die Vorfreude schnell verflogen.“

 

Selten verlief die Vorbereitung auf eine Saison derart reibungsloslos, wie in den zurück liegenden Wochen. Frühlingshafte Temperaturen und ausgezeichnete Rahmenbedingungen trugen dazu bei, dass die „Renner der Lüfte“ ab Anfang März wieder ihr tägliches Training am heimischen Schlag aufnehmen konnten. Auch wenn es vereinzelte Verluste durch Greifvögel gab, bauten die über die Wintermonate in Volieren untergebrachten Tauben schnell wieder eine gute Wettflugform auf.

 

„Die ist wichtig, damit gerade auf den Trainingsflügen eine zügige und problemlose Heimkehr erfolgt“, erläutert Bernd Schlüter, der aufgrund seines Alters nicht mehr so häufig wie in der Vergangenheit privat vortrainiert. Allerdings berichtet er von

Kai Schulze-Kersting ist einer aus dem Kreis der hoffnungsvollen Nachwuchszüchter.
Kai Schulze-Kersting ist einer aus dem Kreis der hoffnungsvollen Nachwuchszüchter.

einzelnen Züchterkollegen, die in eigener Regie bereits ein Dutzend Mal ihre Tiere weggefahren haben,  bevor der erste offizielle RV-Vorflug angesetzt war.

 

Das private Vortraining hilft zwar den Tauben (und Züchtern!), ihre erforderliche  körperliche Verfassung  aufzubauen – gleichwohl: Ein altes Brieftaubensprichwort sagt: „Am Ende zählt`s . . .“ Erst im Monat Juli mit den entscheidenden Langstreckenflügen ab Wegscheid (500 km) und Micheldorf (610 km) werden viele Meisterschaften entschieden und gute Plazierungen gesichert. Daher scheint es häufig eher angebracht, die Formkurve der „gefiederten Renner“ möglichst langsam aufzubauen, um diese über einen längeren Zeitraum konstant zu halten.

 

Was für den „alten Hasen“ Bernd Schlüter im Laufe der Jahrzehnte zur jährlich wiederkehrenden Routine geworden ist, muss sich der 19-jährige Nachwuchszüchter Kai Schulze-Kersting erst noch erarbeiten. Seit zweieinhalb Jahren ist er einer von insgesamt neun jugendlichen Sportfreunden in Reihen der RV „Germania“. Für ihn ist vor allem die Zucht eine große Herausforderung: „Die beim Schlupf aus den Eiern kleinen und flauschigen Jungtiere aufwachsen zu sehen, bis sie mit rd. 21 Tagen dann selber für sich sorgen können, bereitet mir im Moment die größte Freude“, sagt Kai-Schulze-Kersting, der mit seinem Nachwuchs erst an der im August beginnenden Jungtaubenreise teilnehmen wird.

 

„Die Zucht und das Spiel mit Brieftauben geht auf eine mehr als 125-jährige Tradition  zurück“, berichtet Jochen Höinghaus, Vorsitzender des Regionalverbandes „Lippe-Ruhr“ mit sieben angeschlossenen Reisevereinigungen und rd. 700 Mitgliedern. Mit Blick auf die „ausgezeichneten Rahmenbedingungen in Werne“ verweist er darauf dass  die RV „Germania“  heute zu den zehn Mitglieder stärksten der rd. 660 Reisevereinigungen in ganz „Brieftaubendeutschland“ zählt. „Dafür gilt vor allem den heimischen Aktiven ein besonderer Dank!“

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