100 Tauben auf einen Schlag

Elias Dabbelt (16) aus Horst nimmt mit seinen Vögeln an Meisterschaft teil

Werne - Viele Menschen finden Tauben nervig oder gar ekelig, nennen sie „Ratten der Lüfte“. Elias Dabbelt aber findet Tauben faszinierend und züchtet sie zu richtigen Flieger-Assen heran. Der Jugendliche ist erst 16, aber schon recht erfolgreich in dem Sport.

 

Wenn kommende Woche 2 000 Tauben der Reisevereinigung (RV) Germania Werne zu den ersten Testflügen des Jahres starten, sind auch 45 Brieftauben des Schülers dabei. 

Über eine steile Holztreppe steigt Elias Dabbelt unter das Dach der Scheune auf dem Hof in Horst. Unten grunzen Schweine, oben gurren mehr als 100 Tauben. Fünf Häuschen, so genannte Schläge, sind in den hohen Scheunenraum eingebaut. Darin flattern die Tauben aufgeregt umher, als sie Elias’ Anwesenheit bemerken. „Die kennen ihre Leute halt“, sagt der 16-Jährige und schmunzelt.

 

Er selbst erkenne zwar einige am Aussehen, meist brauche er aber den Ring am Fuß, um sie zu identifizieren. Vor sechs Jahren, als Elias mit dem Züchten anfing, sah das noch anders aus: Er startete mit vier Tauben. „Die hat mir ein Nachbar geschenkt“, erzählt der Jugendliche. 

 

Warum er angefangen hat, sich für die Tiere zu interessieren, wisse er gar nicht mehr genau. „Als Kind habe ich immer bei den Nachbarn vorbeigeschaut, die züchteten. Ich fand schon immer faszinierend, dass die Tauben aus noch so weiten Entfernungen immer zurückzufinden.“ Den Winter verbringen die Tauben nur im Schlag. Seit März dürfen sie wieder fliegen, Elias trainiert sie für die neue Saison: „Zuerst lässt man sie nur fünfzehn Minuten raus, jetzt so kurz vor den Testflügen zwei Mal pro Tag je eine Stunde.“ Das sei wichtig für den Muskulaturaufbau. 

 

Brieftauben fliegen in der Saison bis zu 610 Kilometer weit

Denn vor den Tauben liegen etliche Test- und Wertungsflüge. „Das ist wie bei einem Läufer“, sagt Martin Tamsel, Pressesprecher der RV Germania. „Der rennt untrainiert ja auch nicht direkt den Marathon.“ 

 

Für Brieftauben ist eine „Marathonstrecke“ deutlich länger als 42 Kilometer. „Der weiteste Weg unseres diesjährigen Reiseplans misst 610 Kilometer Luftlinie“, so Martin Fischer, Vorsitzender der RV. Für die Flüge werden die Tauben per Lkw an einen bestimmten Punkt gefahren und freigelassen. Dann fliegen sie zurück zum Heimat-Schlag. Dort registriert eine Antenne die Ankunftszeit. Die schnellste Taube gewinnt. Je nach Wind fliegen sie bis zu 100 Kilometer pro Stunde. 

 

Elias holt besonders mit den Jungtauben, die bereits im Jahr ihrer Geburt auf Reisen gehen, gute Ergebnisse. „Und 2015 habe ich den Preis für das schönste Jungweibchen gewonnen“, sagt er und grinst. 

„Elias ist unser jugendliches Aushängeschild“, so Fischer. Unter den 60 aktiven Mitgliedern der RV sind zehn Jugendliche – wobei das relativ ist, denn im Brieftaubensport zählen Züchter bis 23 Jahre als jugendlich. „Die meisten Jugendlichen bilden eine Partnerschaft mit ihrem Vater oder Opa – Elias ist die Ausnahme“, sagt Tamsel. Vater Elmar Dabbelt hatte zwar als Jugendlicher mal Tauben. „Ich habe sie aber nie auf Reisen geschickt“, erzählt er. Er unterstütze seinen Sohn. „Ich finde es toll, was er da macht. Besser, als wenn er den ganzen Tag vor dem Fernseher hängen würde.“  

Wie viel Zeit er pro Tag bei seinen Tauben verbringt, sei unterschiedlich, sagt Elias. „Das nimmt aber jetzt vor den Testflügen und der Meisterschaft wieder zu.“ Denn er hat ein Ziel: Der Sieg müsse es zwar nicht werden, „aber vorderes Drittel wäre toll.“

Quelle: Westfälischer Anzeiger

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