Vater und Sohn an der Spitze

Der Brieftaubensport ist eine große Leidenschaft von Karl Hälker und seinem Sohn Frank. Jetzt hat das Duo die RV-Meisterschaft der Reisevereinigung „Germania“ Werne gewonnen.

Dabei kamen fünf Tauben in die Wertung. Glücklich und stolz sind Vater und Sohn. „Das ist schon etwas Besonderes, die RV-Meisterschaft, die oberste Meisterschaft der Alttauben zu gewinnen“, erklärt Karl Hälker. Mit rund 2.000 Tauben aus 53 Schlägen war der 90 Mitglieder zählende Verein vor 13 Wochen in die Saison gestartet. Die Tiere mussten danach Strecken zwischen 200 und 450 Kilometer Länge zurücklegen. Um die genaue Kilometerzahl und die Flugzeit zu erfassen, bekommt jede Taube einen elektronischen Chip an den Fuß, der per Computer registriert wird. In den Siegerlisten erfasst wird aber nur ein Drittel der Tauben. „Wir sind mit 57 Tauben in die Saison gestartet“, erzählt Frank Hälker. Beim letzten Flug seien es noch 25 Tauben gewesen, von denen es 14 ins erste Drittel geschafft hätten.

 

In die RV-Meisterschaft flossen die Anzahl der Preise, die geflogenen Kilometer sowie die Geschwindigkeit mit ein. 1300 Meter pro Minute, das entspricht 78 Kilometern in der Stunde, erreichte Hälkers schnellste Taube. Damit die Tauben so gute Leistungen bringen, brauchen sie viel Pflege, gutes Futter und eine Menge Training. Bereits seit 1971 züchtet Karl Hälker Tauben. Auf einem Bauernhof aufgewachsen, kam er durch Schulfreunde und Verwandte zu dem Hobby. Damals habe es noch viele Taubenzüchter gegeben. Heute hätten viele ihre Schläge aufgegeben. Zudem fehle der Nachwuchs. „Wer Tauben hat, kann nur verreisen, wenn er jemanden hat, der die Tiere versorgt“, sieht er einen Grund für den Rückgang. „Außerdem genießen Tauben ein schlechtes Ansehen“, so der 57-Jährige. Nachwuchssorgen gibt es bei ihm zu Hause jedoch nicht, denn sein Sohn Frank hat sich von Anfang an für Tauben interessiert.

 

Sohn hat sich von Anfang an für Tauben interessiert

Heute ist der 24-Jährige, der bereits mit zehn Jahren im Verein und Verband angemeldet war, mit der gleichen Leidenschaft bei dem zeitaufwendigen Hobby dabei wie sein Vater. Der verbringt „vier bis fünf Stunden täglich“ mit den Tauben. Wenn einer von beiden mal verreist oder krank ist, kann der andere einspringen. Probleme mit den Nachbarn hat der Rinkeroder auch nicht, dafür nimmt er Rücksicht, indem er seine Tauben nur zu bestimmten Zeiten und am Wochenende sogar gar nicht fliegen lässt. Und gemeinsames Fachsimpeln über Futter, die Behandlung und Vorsorge von Krankheiten sowie die richtige Taktik für den Wettkampf sind wichtig für den Erfolg.  Bei den Hälkers ist Taubensport Familiensache, und das zahlt sich aus. Liebevoll zeigt der Junior eine der 100 Tauben. „Sie sind fast alle zutraulich“, sagt er. Sechs bis sieben Mal im Jahr legt das Weibchen zwei Eier ins Nest und fängt dann an zu brüten. Nach 18 Tagen schlüpfen die Jungen. Mit vier Tagen erhalten sie einen Ring um den Fuß, der ein Leben lang bleibt. „Wir lassen unsere Tauben aber nur vier bis fünf Mal brüten, um sie zu schonen“, erklärt der Züchter. Dreieinhalb Wochen sind die kleinen Tauben alt, wenn sie alleine fressen können. „Dann füttern wir sie aus der Hand mit Leckereien wie Sonnenblumenkernen und Nüssen, um sie handzahm zu machen“, verrät Karl Hälker. Sobald sie anfangen zu fliegen, wird der Nachwuchs ans Haus gewöhnt, damit die Tiere dann mit vier bis fünf Wochen gemeinsam mit anderen kleine Flüge unternehmen.

Mit acht bis zehn Wochen erste größere Flüge

 

Zu ihren ersten größeren Flügen starten sie mit acht bis zehn Wochen. Gezüchtet wird mit erfolgreichen Tauben, wobei die Hälkers auch Freude am schönen Aussehen haben. So finden sich nicht nur klassische grau-grünliche Tauben im Bestand, sondern auch solche mit besonderen Farben. Im Frühjahr werden die Taubenschläge ausgebrannt, um Ungeziefer vorzubeugen. Zusätzlich erhalten die Tauben prophylaktisch einen Wirkstoff gegen Parasiten wie Federlinge in den Nacken geträufelt. Jede Woche nehmen die Tiere zudem ein Wasserbad mit etwas Essig. „Das ist ein altes Hausmittel, und die Tauben gehen da von selber rein“, erzählt der Student für Verfahrenstechnik. Außerdem erhalten sie ebenfalls einmal im Jahr eine Kapsel gegen Darmwürmer. Vorm Start werden zwei bis drei Tauben vom Tierarzt untersucht. Von allen wird eine Kotprobe entnommen. „Ist das Ergebnis nicht in Ordnung, werden alle Tiere behandelt.“ Jede Medikamentengabe bedeute aber eine Formschwächung. Und nur gesunde Tiere brächten Höchstleistung.

 

Nur gesunde Tiere brächten Höchstleistung

Schon lange vor der Meisterschaft beginnen die Züchter mit dem Training der Brieftauben. Drei Mal starten sie vorher mit dem Verein und fünf Mal auf eigene Faust. Für den Transport, in diesem Jahr mussten die Tauben den Weg von Höchstadt in Bayern zum heimischen Stall finden, hat sich der Verein einen Kabinenexpress angeschafft. Dort sind die Tauben in Boxen mit optimaler Durchlüftung, Fressen und Trinken untergebracht. Den Lastwagen fährt ein extra bestellter Fahrer. Wie die Tauben den Weg zurück nach Rinkerode finden, sei bis heute nicht abschließend geklärt. „Sie orientieren sich am Magnetfeld, an Flüssen und großen Straßen“, weiß Frank Hälker. „Und an dem Stand der Sonne“, fügt sein Vater hinzu. Jede Taube fliege aber ihren eigenen Weg, wobei ältere Tauben aufgrund der Erfahrung schneller ankämen. Männliche und weibliche Tauben seien aber in etwa gleich schnell.

Tauben fliegen bis zum Alter von 5 Jahren lange Strecken

 

Bei Familie Hälker fliegen die Tauben maximal bis zum Alter von fünf Jahren lange Strecken, andere Züchter ließen Tauben jedoch noch mit zehn Jahren an Wettbewerben teilnehmen. „Schweren Herzens“ müssen sich Vater und Sohn manchmal von Tauben, die sich nicht für Wettbewerbe eignen, trennen, damit es nicht zu viele werden. „Die wandern dann zum Metzger oder in den Zoo“, erklärt der gelernte Bäcker. „Verdiente Tauben erhalten bei uns aber das Gnadenbrot“, versichert er. So könne eine Taube bis zu 15 Jahre alt werden. Von Zeit zu Zeit werden neue Tauben zugekauft, um frisches Blut in den Bestand zu bringen, ebenso werden auch Tauben zu Zuchtzwecken verkauft. Der Gewinn der regionalen Meisterschaft oder der Verbandsmeisterschaft ist der große Traum von Vater und Sohn. „Das erreichen aber nur wenige, denn da stehen in der Gewinnerliste nur ganz große Namen“, sagt Frank Hälker.

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