"Da musste ich übernehmen"

Wie RV - Jungtaubenmeister Günter Waßmann

zu seinem Hobby kam

Günter Waßmann mit einer seiner erfolgreichen Taube. Insgesamt sind es über 100, die im Garten des Züchters und seiner Frau eine Heimat haben, in die es nach jedem Flug zurück geht.
Günter Waßmann mit einer seiner erfolgreichen Taube. Insgesamt sind es über 100, die im Garten des Züchters und seiner Frau eine Heimat haben, in die es nach jedem Flug zurück geht.

Werne~ Wenn Günter Waßmann sein Hobby pflegt, geht es wuselig und vor allem federreich zu. Waßmann züchtet Brieftauben, von denen über 120 in einem Schlag im Garten seines Hauses in Werne leben. Und mit dieser Freizeitbeschäftigung ist er überaus erfolgreich: Grade wurde er mit seinen Jungtauben Meister der Reisevereinigung (RV) Germania.

 

Wenn der 62-jährige über seine Anfänge als Taubenzüchter spricht, glaubt man kaum, dass er heute mit so viel Begeisterung dabei ist. "Eigentlich ist das alles ganz summ gelaufen", erzählt er dann. 1994 habe seine Tochter, damals neun Jahre alt, eine Taube von ihrem Onkel - Günter Waßmanns inzwischen verstorbenen Bruder - geschenkt bekommen. Anfangs war sie auch mit Begeisterung dabei. Doch wie das so ist mit Kindern: Die Interessen ändern sich fast so häufig wie die angesagteste Boyband und die junge Taubenbesitzerin fand bald ihren Weg zum Volleyball. "Da musste ich übernehmen", erklärt Waßmann lakonisch.

 

Der Taubenschlag in seinem Garten sieht aus wie ein großer Schuppen. Einzig die vier Erker-artigen Käfige an der Vorderseite verraten sofort, dass hier kein Rasenmäher und keine Pflanzkübel untergebracht sind. Zu behaupten, dass er hier viel Zeit verbringt, ist fast eine Untertreibung. Bis zu sechs Stunden am Tag hat Waßmann hier zu tun. "Die Tauben müssen gefüttert werden, morgens und abends werden sie rausgelassen und während sie fliegen, mache ich den Verschlag sauber", erzählte er. Dass man das als Berufstätiger kaum schafft, erklärt zumindest teilweise die Nachwuchssorgen, die die Vereine und Reisevereinigungen plagen. Doch sein Hobby, so Waßmann, sei eben nicht nur zeitintensiv, sondern auch kostspielig. Über 100 Tiere - keine außergewöhnlich hohe Zahl für Züchter - brauchen eben einiges an Futter; und wetterfest untergebracht werden wollen sie auch.

 

Ein Ring trägt die Nummer der Taube und Kontaktdaten des Besitzers. Der andere dient dazu, bei Rennen die exakten Zeiten messen zu können.
Ein Ring trägt die Nummer der Taube und Kontaktdaten des Besitzers. Der andere dient dazu, bei Rennen die exakten Zeiten messen zu können.

Mit mehr als 50 Tieren teilgenommen

 

Dass die ganzen Mühen sich gelohnt haben, zeigte sich für den Taubenzüchter während der sechs Flüge der RV - Meisterschaft der Jungtauben. Mit über 50 Tauben hat er an den Flügen teilgenommen, deren Länge sich von Mal zu Mal steigert. Fast 350 Kilometer weit ging es für die maximal sechs Monate alten Tiere beim letzten Preisflug von Erlangen zurück in die heimatlichen Schläge. Dabei erhalten jeweils das schnellste Drittel der teilnehmenden Tauben Preise, die besten Fünf jedes Züchters werden für die Punktevergabe der Meisterschaft gewertet.

Damit seine Tauben so erfolgreich bleiben, muss sich Waßmann einiges einfallen lassen. "Und man will ja auch immer besser werden", wie er sagt. Schon während der Saison legt er Listen an, in denen mögliche

Zum Transport geht es für die Tauben in Boxen.
Zum Transport geht es für die Tauben in Boxen.

Paarungskombinationen durchdacht werden.  Zu ganzen Papierstapeln verdichten sich diese Überlegungen dann nach dem Ende der letzten Preisflüge. Anschließend werden die Tauben gemeinsam  in einer speziellen Kiste untergebracht, bis sie sich angenähert haben. Gleichzeitig wird sein "Rennstall" immer wieder durch Zukäufe aufgefrischt. Ähnlich wie sich Trainer Thomas Tuchel von Borussia  Dortmund auch in der Sommerpause Gedanken über den Kader für die neue Saison macht, gibt es auch für Waßmann kaum eine Auszeit. Und wenn er erzählt, wie viel Zeit und Zuneigung er in sine Tauben investiert, versteht man sofort, warum sie die "Rennpferde des kleinen Mannes" genannt werden.

 

Nur selten sieht er seine Tiere mal für längere Zeit nicht. "Viele Züchter machen dann direkt nach der Saison Ferien", erzählte Waßmann.

Bei allem Konkurrenzdenken sind die Taubenbesitzer auch ein eingeschworene Gemeinschaft und kümmern sich um die Tiere derjenigen, die gerade im Urlaub sind. Für Waßmann ist es nächste Woche soweit. Dann fährt er an die Nordsee - natürlich ohne Tauben.

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