200 Kilometer zum Aufwärmen

Züchter-Neuling Detlef Hanke schickt Sonntags erstmals seine Tauben auf die Reise

Erste Bewährungsprobe beim Saisonstart der Taubenzüchter

Nein, dieses noch etwas zerzauste Duo aus dem Schlag von Detlef Hanke ist gerade mal 14 Tage alt und bis zur Eröffnung der Reisesaison der Brieftaubenzüchter in der RV Germania am Sonntag (23.04.) noch nicht flügge. Aber der Neuling im Verein hat seit dem vergangenen Jahr mit anderen Tieren darauf hingearbeitet, in der Saison 2017 erstmals Tiere aus eigener Zucht mit dem Taubenexpress auf die Reise zu schicken. Zum Auftakt werden rund 1.800 Brieftauben im hessischen Schlüchtern aufgelassen.


Detlef Hanke (r.) ist seit 2016 Mitglied der RV Germania und schickt Sonntag seine ersten Tauben in den Wettflug. Ratschläge für seine Zucht bekommt er auch vom RV-Vorsitzenden Martin Fischer (l.) und RV-Sprecher Martin Tamsel.
Detlef Hanke (r.) ist seit 2016 Mitglied der RV Germania und schickt Sonntag seine ersten Tauben in den Wettflug. Ratschläge für seine Zucht bekommt er auch vom RV-Vorsitzenden Martin Fischer (l.) und RV-Sprecher Martin Tamsel.

Werne~ Rund 1.800 Brieftauben werden die Mitglieder der Reisevereinigung Germania zum Saisonstart am Sonntag (23.04.) in den Himmel steigen lassen. Der erste von insgesamt 14 Flugwettbewerben für die Alttiere führt die Helfer auf dem Transport-LKW ins hessische Schlüchtern. Von dort haben die Tiere zur Eingewöhnung knapp 200 Kilometer Flugstrecke vor sich. Wir haben Züchter Detlef Hanke bei seinen Vorbereitungen über die Schulter geschaut.

 

"Die Tiere erreichen beim Heimflug Geschwindigkeiten von 80 bis 100 Kilometern in der Stunde", berichtet der RV-Vorsitzende Martin Fischer beim Treffen an Hankes Schlag. Das Tempo sei allerdings stark von den Witterungsverhältnissen abhängig: "Bei Gegenwind dauert es eben länger, mit Rückenwind geht es schneller -  das ist beim Flieger in den Urlaub ja auch nicht anders."

Die hiesige Gemeinschaft der Brieftaubenzüchter setzt sich aktuell aus 13 Vereinen zusammen, neben den Vereinen aus Werne gibt es Mitglieder in Herbern, Hamm und Rinkerode. 82 Mitglieder sind es insgesamt, 56 davon besitzen sogenannte "reisende Schläge". Das heißt, sie haben noch eine eigene Zucht, mit der sie sich aktiv an den regelmäßigen Wettbewerben beteiligen.

Auch wenn sich die Züchter aus Nordkirchen im vergangenen Jah einer anderen Vereinigung angeschlossen haben, so gebe es immer wieder auch Neuzugänge in den Reihen. Detlef Hanke etwa ist erst seit dem vergangenen Jahr dabei, mit Helmut Pelster nahm ihn ein heimischer Züchter mit Erfahrung aus fünf Jahrzehnten unter seine Fittiche. Mit Erfolg, denn schon die ersten eigenen Tauben holten im zurückliegenden Herbst erste gute Platzierungen für den Geschäftsmann, der beruflich in Sachen Sonnenschutztechnik unterwegs ist.

"Taubenzucht ist eine hohe Kunst. Mit Füttern und Wasser geben allein ist das nicht getan", sagt Hanke und räumt ein, seine Einschätzung dieses Hobbys gewaltig revidiert zu haben. Schon sein Vater züchtete Brieftauben, nach dessen Tod hatte der Sohn zunächst kein Interesse, die Arbeit mit den Tieren fortzusetzen. Nun aber hat in seinem Garten eine moderne Anlage für die Tiere Platz gefunden.

Reinigung und Verdunklung des Schlags geschehen in der noblen Konstruktion sogar automatisch. Gut zwei Stunden am Tag kümmert sich Hanke dennoch um die Tauben; in der aktuellen Trainingszeit investiert der 52-jährige noch mehr Zeit in das für ihn neue Hobby.

Am Sonntag (23.04.) starten dann erstmal Alttiere aus seinem Schlag beim Preisflug in die neue Saison. Die Entfernungen werden dabei sukzessive gesteigert. Beim letzten Flug der Saison erfolgt der Start in Wels, der zweitgrößten Stadt Oberösterreich. "Das ist dann eine Luftlinien-Entfernung von 600 Kilometern", kündigt Fischer an.

Vor den Wettkämpfen ist die richtige Ernährung der Tauben wichtig. Vor den Flügen nehmen die sportlichen Tauben viel fettes Futter zum Aufbau der Reserven zu sich. Zur Regeneration ist nach der Rückkehr oftmals Nahrung mit hohem Eiweiß-Anteil nötig. Die Motivation für das enorme Heimfindevermögen ist dagegen unverändert: "Schon bei den Vorflügen werden die Tauben erst mit ihren Partnerinnen zusammengebracht. Dann werden die Paare getrennt. Danach ist die Taube dann bemüht, möglichst schnell zurückzukommen", berichtet Pressesprecher Martin Tamsel.

Die Saison ist nach den Wettflügen der Tauben mit einem Alter von bis zu sieben Jahre noch nicht beendet. Ab September kann dann der Nachwuchs der jährigen Tauben zeigen, was in ihm steckt. Die Saison dieser Jungentauben geht über sieben Flüge auf Strecken von 100 bis 300 Kilometern.

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